
Die Wolke schafft Raum für Kooperation in der arbeitsteiligen Welt. Die Lieferanten aus Fernost, der Logistiker aus Dänemark, der Auftraggeber aus Deutschland - alle Partner der Lieferkette sind im Bild, zu welchem Zeitpunkt georderte Waren verschifft, Empfangshäfen passiert und per LKW an das Produktionswerk ausgeliefert werden.
Das neue Zeitalter in der Logistik zeichnet sich vor allem durch eines aus – Transparenz. Eine zentrale IT-Plattform im Netz (also in der "Cloud"), liefert alle Instrumente und Informationen, die zur Steuerung weltweiter Logistikketten, dem so genannten Supply Chain Management (SCM), erforderlich sind. Sie integriert unternehmensübergreifend alle beteiligten Partner, ohne dass dafür besondere Systemvoraussetzungen erforderlich wären.
"Cloud Computing revolutioniert die Logistik. Hier schafft die Unabhängigkeit von Zeit und Raum eine neue Dimension", sagt Holger Schmitt, Vorstand der AXIT AG aus Frankenthal bei Mannheim. Das Unternehmen betreibt mit AX4 die in Europa derzeit meistgenutzte IT-Logistikplattform für das Supply Chain Management. Bereits jetzt organisieren Rund 85.000 Anwender über die zwölfsprachige Plattform ihre Beschaffungslogistik, kontrollieren Pünktlichkeit und Qualität von Transporten und wickeln administrative Aufgaben bis hin zur Rechnungsstellung per Mausklick ab.
Eine Plattform für alle
Ein wesentlicher Vorteil der webbasierte IT-Technologie: Firmen können ihre Logistikprozesse ohne Investitionen in eigene Soft- oder Hardwarelösungen optimieren. Vorhandene Standardprogramme für das Ordermanagement, die Transportdisposition oder Sendungsverfolgung können sofort genutzt werden. Aufwendige Implementierungsphasen, wie sie bei der Etablierung hauseigener IT-Lösungen gewöhnlich anstehen, entfallen. Verständigungsprobleme zwischen unterschiedlichen IT-Welten sind ausgeschlossen. Externe Logistikpartner und unterschiedliche Verkehrsträger lassen sich problemlos an den Datenfluss anbinden. Und am Ende wird nur bezahlt, was die Firma tatsächlich genutzt hat.
Das hat auch Audi überzeugt. Der Automobilhersteller ist seit Juni diesen Jahres in der Cloud unterwegs. Für das Tracking und Tracing (sprich: die lückenlose Verfolgung) seiner Seefrachtsendungen von China nach Europa, setzt das Unternehmen auf eine webbasierte IT-Lösung. „Audi möchte früh erkennen, ob es in China irgendwelche Lieferprobleme gibt“, erläutert AXIT-Mitgründerin Frauke Heistermann, die das Beispiel auf dem Zukunftskongress Logistik des Fraunhofer Instituts für Logistik (IML) in Dortmund präsentierte. So erhält Audi über die Plattform AX4 sofort eine Benachrichtigung, wenn es auf dem Weg vom Lieferabruf bis zum anvisierten Liefertermin im Werk an irgendeiner Stelle hakt und kann unverzüglich reagieren. Solche und andere Möglichkeiten will der Autobauer künftig intensiver nutzen. "Ich sehe ganz klar noch weitere Einsatzmöglichkeiten für Cloud-Lösungen", bestätigte Audi Suppy Chain Manager Helmut Ott dem Branchenmagazin LT-Manager.
Mittelstand soll profitieren
Laut einer Marktstudie des Fraunhofer Instituts IML (Siehe Beitrag "Transparente Warenströme" auf dieser Seite) können sich bereits heute mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen in der Logistik (60 Prozent) vorstellen, IT-Lösungen zu nutzen, die auf einer Plattform im Netz bereitstehen. Doch obwohl gerade kleinere Logistikunternehmen mit geringen Ressourcen zur Betreuung der eigenen Informationstechnologie von Cloud Computing profitieren können, geben in erster Linie große Firmen Gas.
Zu Nutzern zählt etwa das Frachtunternehmen der Deutschen Post, DHL Freight. Auf Basis eines Cloud-Computing-Tools hat das Unternehmen seine Beschaffungslogistik für den Mittelstand vereinfacht und unter dem Namen Freight Chain Manager (FCM) 2.0 ein neues Webportal an den Start gebracht. Die Lösung gewährleistet eine reibungslose Bestellabwicklung, stellt den Informationsfluss zwischen Versender und Empfänger sicher und erhöht die Transparenz der gesamten Lieferkette. „Der Mittelstand ist für DHL Freight eine sehr wichtige Kundengruppe, die gerade bei der Beschaffungslogistik oft vor großen Herausforderungen steht. Mit unserem neuen Webportal vereinfachen wir das Leben unserer Kunden“, sagt Stefan Paul, CEO DHL Freight Deutschland.
Die Vereinfachung von Vorgängen – damit kann die relativ junge Cloud-Technik vor allem in der als komplex geltenden Welt der Logistik punkten. Denn mehr Transparenz macht Transportabläufe nicht nur sicherer, sondern auch kundenfreundlicher. Das hatte auch der Kurier- und Expressdienstleister GO! Express & Logistics im Sinn, der eine Applikation (App) für iPhone und iPad entwickelt hat, mit der Kunden immer über den aktuellen Status ihrer Express-Sendung informiert sind.
Schon ist eine neue Generation von Instrumenten am Markt, mit der Logistiker in der Lage sind, benötigte Softwareanwendungen auf Basis vorgefertigter Standardmodule selbst zu programmieren. Damit lassen sich Funktionen und Design wie auf einer Werkbank individuell bearbeiten oder eigene Apps programmieren. "Was vorher zehn Tage Programmieraufwand erforderte, ist heute in wenigen Stunden mit webbasierten IT-Instrumenten erledigt", so AXIT-Vorstand Schmitt, der drei Jahren Entwicklungsarbeit und Erkenntnisse aus 1.000 SCM-Projekten in eine solche Toolbox investiert hat. Damit ließen sich heute in der Logistik selbst komplexe Lieferketten "auf Knopfdruck" realisieren.
Quelle: FAZ vom 05.10.2011
Der Author Reinhard Pfeiffer ist Fachjournalist mit Schwerpunkt auf Logistik-Themen
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